Gute Arbeit

Diözesanverbandstag am 23. und 24. 06. 2007

Beschlossene Anträge des Diözesanverbandstages

der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung

Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart e.V.

 am 23. und 24. Juni 2007

Freiberg/Neckar

Prisma

 

Leitantrag zum Diözesanverbandstag der KAB - 2007

 

„Gute Arbeit"

 

- MENWSCHLICH - SOZIAL - GERECHT -

 

1.      Erwerbsarbeit in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit

Vor über 25 Jahren veröffentlichte Papst Johannes Paul II. sein Rundschreiben über die menschliche Arbeit „Laborem exercens“. Darin entfaltet er ein großartiges Bild menschlichen Schaffens bis hin zu einer „Spiritualität der Arbeit“. In der Arbeit nimmt der Mensch „am Wirken Gottes“ teil und erfährt in ihr „einen kleinen Teil des Kreuzes Christi“, aber auch schon „den Schimmer eines neuen Lebens“. [1])

 Die Erwerbsarbeit von heute wird diesem Entwurf nicht gerecht. Bedingt durch die anhaltende Massenarbeitslosigkeit und das globale Überangebot an Arbeitskräften verliert die Arbeit immer mehr an Recht und Würde:

3, 6 Millionen Vollerwerbstätige erzielen mit ihren Niedriglöhnen allenfalls noch 40 % des durchschnittlichen Arbeitseinkommens in Deutschland. 1 Million bezieht ergänzend „Arbeitslosengeld II“. Als einziges Land in Europa verzeichnet Deutschland eine negative Einkommensentwicklung. Seit über zehn Jahren haben die Erwerbstätigen Reallohn-Verluste hinzunehmen.

Der Normalarbeitsvertrag wird immer mehr zur Ausnahmeerscheinung. Prekäre Arbeitsverhältnisse nehmen zu: Leih- und Zeitarbeit, geringfügige Beschäftigung, befristete Arbeitsverträge, Scheinselbständigkeit. All diesen Arbeitsformen ist gemeinsam, dass sie kaum Existenz sichernde Einkommen erbringen, keine ausreichende soziale Sicherung erwerben, von großer Arbeitsplatzunsicherheit gekennzeichnet und rechtlich kaum geschützt sind. Junge Menschen finden – wenn überhaupt – oft nur noch durch diese „Hintertür“  Zugang zur Erwerbsarbeit. Prekäre Arbeitsverhältnisse erlauben keine Lebensplanung. Dies erschwert die Gründung einer Familie mit allen persönlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen.

 ·         Eine immense Leistungsverdichtung belastet alle Erwerbstätigen. Zwar ist die Arbeit körperlich leichter geworden. Doch die Belastungen verschieben sich immer mehr in den Bereich der Sinne und Nerven. Allgegenwärtig ist die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren oder seinen Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein. Dies erklärt einerseits den niedrigsten Krankenstand der Nachkriegsgeschichte und andererseits den dramatischen Anstieg arbeitsbedingter psychischer Erkrankungen.

 ·         Der anhaltende Druck entlädt sich oft im kollegialen Miteinander. „Mobbing“, Psychoterror im Betrieb nehmen zu. Nicht selten wird dies von der Führungsebene her geduldet oder gar bewusst inszeniert, um über Eigenkündigung Personalabbau zu betreiben. Die menschlichen Folgen sind entsetzlich. Neben dem Verlust des Arbeitsplatzes angesichts von Massenarbeitslosigkeit bleiben oft schwere seelische und gesundheitliche Schäden zurück.

Flexibler Arbeitseinsatz und eine hohe räumliche und berufliche Mobilität kosten vielen Erwerbstätigen immer mehr soziale Zeit für Familie, Freundschaften, Beziehungen, Kultur und Politik. Projekt-Arbeit und neue Arbeitszeitmodelle wie etwa die „Vertrauensarbeitszeit“ führen zu „Arbeit ohne Maß“ und lassen kaum noch Zeit und Raum für die „andere“ Seite des Lebens. Das ganze Leben muss vielmehr um die Erwerbsarbeit herum organisiert werden. Sie ist die einzige Stellgröße, nach der sich in einer Familie alle zu richten haben. Gegen den Widerstand der Gewerkschaften, der KAB und der Betriebsseelsorge wird nun auch die Ladenöffnung an drei Sonntagen im Jahr und werktags rund um die Uhr erlaubt. Das kostet vielen Beschäftigten im Einzelhandel den gemeinsamen Feierabend und gefährdet den arbeits- und verkaufsfreien Sonntag.  

Die Arbeitslosigkeit mit ihren schwerwiegenden seelischen und materiellen Folgen ständig vor Augen, nehmen Erwerbstätige diese Erschwernisse ihrer Arbeit fast klaglos hin: „Besser diese Arbeit als gar keine“, denken sich viele. Oder: „Hauptsache Arbeit – frag nicht welche...“.

Infolge der Massenarbeitslosigkeit hat auch die Politik die humane Ausgestaltung der Arbeit aus dem Blick verloren. Auch in den Betrieben selbst werden wieder Fertigungstakte verringert und arbeitsteilige Verfahren eingeführt. Sie begrenzen die (Teil-) Autonomie der Beschäftigten und gefährden Arbeitszufriedenheit und Motivation.

2. „Gute Arbeit“ – ökonomisch notwendig und ethisch geboten

Die „Soziale Marktwirtschaft“ hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr auf ein neo-liberales, kapitalistisches System hin entwickelt. In ihm steht nicht mehr wertschöpfende Arbeit im Mittelpunkt, sondern Geldschöpfung nach den ehernen Gesetzen der Kapitalvermehrung („Shareholder value“).

Dabei wird die Arbeit nach Marktgesetzlichkeit als Ware gehandelt und als Kostenfaktor bekämpft. Wo man sie überhaupt noch braucht, presst man sie aus wie eine Zitrone, wo man sie nicht mehr braucht, wird sie achtlos weggeworfen. Sie wird ihrer Würde und ihrer Rechte beraubt, bedrückt und gedemütigt.

Globalisierung und internationale Arbeitsteilung setzen die Arbeit in Deutschland zusätzlich  unter Druck. Mangels internationaler Standards wird Arbeit im Ausland zu Billigstpreisen angeboten und führt zur Verlagerung von Arbeitsplätzen, Produktionen und Dienstleistungen. Umgekehrt strömen billige Arbeitskräfte ins Land, verdrängen einheimische

Arbeitnehmerinnen und drücken die Löhne nach unten. Im Unterschied zu vielen anderen europäischen Ländern kennt Deutschland kein Mindestlohngesetz, und die bisher gültigen  Entsenderichtlinien gelten nur für wenige Branchen.

Als KAB müssen wir gegen diesen Zerfall Einspruch erheben. „Arbeit ist eine Grundbestimmung menschlichen Lebens“, heißt es im Grundsatzprogramm, denn „Arbeit gehört zum Menschen...“. In ihr „verwirklichen Frauen und Männer ihre unvergleichbare Würde als Abbild Gottes“. Doch „die Totalität des Marktes degradiert alles, sogar die menschliche Arbeit, zur bloßen Ware. Der Mensch wird herabgesetzt, wenn er als ‚Arbeitskraft’ benannt und behandelt wird.“ [2])

2. 1 „GUTE ARBEIT“ – ein Standortfaktor

Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist auf Zukunft nur über „GUTE ARBEIT“ zu sichern: Unser Land verfügt weder über Rohstoffe in nennenswertem Umfang, noch als eine der dicht besiedeltsten Regionen der Welt über umfangreiche Flächen, die entsprechend nutzbar wären. Wir sind nur über „GUTE ARBEIT“ zu einer der führenden Industrienationen geworden und können dies nur über „GUTE ARBEIT“ auch zukünftig bleiben. Unsere Stärke liegt – neben einer intakten Infra-Struktur – in einer hoch qualifizierten und hoch motivierten Facharbeiterschaft, in Grundlagen- und Anwendungsforschung, in qualifizierten Dienstleistungen, in ausreichenden Einkommen, im „Sozialen Frieden“. Wer „GUTE ARBEIT“ demontiert, beschädigt die wirtschaftliche Zukunft. Mit noch mehr billigen Jobs, nach denen manche Politiker rufen, wird der Industriestandort Deutschland nicht überleben können.

2. 2 „GUTE ARBEIT“  hat Rechte und Würde


Für die Bibel ist Erwerbsarbeit kein (eigenes) Thema, sie gehört vielmehr zum Leben dazu: „Und Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und bewahre....“ (Genesis 2,15). Arbeit ist Teil des Menschseins.
 
Jede Arbeit aber mündet hinein in die Ruhe des Sabbats: „Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von all seinen Werken....“ (Genesis 2,3). Der Sabbat, für uns der Sonntag, bildet ein Bollwerk gegen die drohende Versklavung an die Arbeit, gegen heimliche oder offene Selbstausbeutung. Nicht jeder Tag muss sich ökonomisch rechnen. Man braucht nicht das Letzte aus sich, aus andern, aus der Schöpfung herauszuholen. GUTE ARBEIT respektiert das Bedürfnis nach Regeneration, Rekreation, Gemeinschaft, respektiert die Begrenztheit des Menschen und der Schöpfung, relativiert die Arbeit und die Ökonomie.

Die Lohngerechtigkeit findet in beiden Testamenten eine starke Resonanz: „Wer arbeitet, hat Recht auf seinen Lohn....“ (Lukas 10,7). Vorenthaltener Lohn „schreit zum Himmel...“ (Jakobus 5,4). Lohn ist vor allem „Bedarfs“- und weniger „Leistungs-“Lohn (Matthäus 20). GUTE ARBEIT erbringt Existenz sichernde Einkommen und orientiert sich eher am Bedarf und weniger an (fragwürdigen) Leistungskriterien. 


Die Kath. Soziallehre erklärt ausdrücklich: „Arbeit ist keine Ware....“ („Quadragesimo anno“ 83). Sie hat vielmehr „Vorrang gegenüber dem Kapital....“ („Gaudium et spes“ 67). Ihr subjektiv-personaler Charakter ist wichtiger als der objektiv ökonomische, denn Kapital ist nur werkzeuglicher Art, Arbeit aber ist „Ausfluss der Person“.

Daraus leiten die Kirchen ab: „Arbeit ist ein Menschenrecht...“ („Gemeinsames Wort“ 151). Das bedeutet einen moralischen Rechtsanspruch an Wirtschaft und Politik (direkte und indirekte Arbeitgeber), möglichst alle Menschen über Arbeit und Einkommen zu beteiligen.
Erwerbsarbeit aber begründet ein Rechtsverhältnis: „Arbeit ist eine Quelle von Rechten“ („Laborem exercens“ 16), so zum Beispiel das Versammlungs- und Koalitionsrecht, gewerkschaftlicher Zusammenschluss, Tarifverträge, Recht auf Mitbestimmung und Mitbeteiligung, Recht auf Arbeitsschutz, Ruhe, soziale Sicherung usw.

„GUTE ARBEIT“ ist daher tariflich ausgestaltet und geschützt. Sie ist bewehrt durch das Recht auf Streik als „ultima ratio“, letztes Mittel zur Durchsetzung legitimer Forderungen und Rechte. Sie garantiert ein Recht auf Mitbestimmung und Mitbeteiligung. Sie hat Anspruch auf „gerechten Lohn“, definiert als „Familienlohn“: Ein Einkommen muss ausreichen für das (soziokulturelle) Auskommen einer Familie. Der „freie“ Arbeitsvertrag mit Löhnen unterhalb des Existenzminimums ist ein Unrecht. Arbeit begründet darüber hinaus ein Recht auf soziale Sicherheit im Alter, bei Krankheit und Unfall, Pflegebedürftigkeit und Arbeitslosigkeit. Prekäre Arbeit ohne ausreichenden sozialen Schutz ist keine „gute“ Arbeit. Die Erwerbsarbeit ist stets neu als „humane“ Arbeit mit sozial- und familienverträglichen Arbeitszeiten auszugestalten.

2. 3   „GUTE ARBEIT“ – die Erwartungen der Menschen 

Gefragt nach dem, was „GUTE ARBEIT“ heute ausmacht, reagieren viele Beschäftigte  mit Verwunderung. Sie sind froh, überhaupt Arbeit zu haben. Wer Hunger hat, denkt eher an Schwarzbrot als an Sahnetorte. 

Wenn sie aber nachdenklich werden, kommen Aussagen, die sich mit den Zielvorgaben der Bibel und der Kath. Soziallehre decken, und die man nach folgenden Kriterien einordnen kann (Originalzitate in kursiv):

Ein festes, verlässliches Einkommen, „eine anständige Bezahlung, ein gerechtes Einkommen, um den Unterhalt meiner Familie zu sichern“.

Unbefristete Beschäftigung und Sicherheit des Arbeitsplatzes.

Kreative Arbeit: „Ich will stolz sein können auf meine Arbeit, weil ich was kann...“; „Will meine Fähigkeiten einbringen und entwickeln“; „Spaß an der Arbeit....“. „Arbeit, die meinen Fähigkeiten entspricht“. „Regelmäßige Fortbildungen“.

Sinn in der Arbeit: „Arbeit, die mir Freude und Zufriedenheit schenkt.“ „Ich will etwas Sinnvolles tun...“

 

Anerkennung: „Ich will für meine Arbeit anerkannt und gelobt werden“. „Ich trage viel Verantwortung, dafür möchte ich Wertschätzung und Achtung“

Soziale Beziehungen: „Ein gutes Miteinander, menschlicher Umgang“. „Freundliche Kollegen, gutes Betriebsklima“. „Kein Mobbing!“ „Eine vertrauensvolle Atmosphäre“. „Gutes Teamwork“.

Familien- und sozialverträgliche Arbeitszeiten: „Feierabend und Wochenende für meine Familie“. „Keine Sonntagsarbeit“. „Arbeit und Familie müssen vereinbar sein.“

Achtung und Schutz der Gesundheit: „Ich will Arbeit, die nicht krank macht.“ „Arbeit, in der man seine Gesundheit nicht ruinieren muss“  [3])

3.      Die Forderungen der KAB

 3. 1   Arbeit für alle

Bevor wir unsere Forderungen nach „Guter Arbeit“ stellen, müssen wir uns bewusst werden, dass immer noch vier Millionen Menschen gar keine Erwerbsarbeit haben. In unserem „Schwäbisch-Gmünder-Appell“ aus dem Jahre 2003 haben wir Vorschläge zur Überwindung der Massenarbeitslosigkeit gemacht, die bisher nicht eingelöst worden sind. Stattdessen wurde nur der Druck auf die Arbeitslosen verstärkt, Arbeit anzunehmen, die es aber gar nicht gibt.

Daher bekräftigen wir erneut: 

„Arbeit ist ein Menschenrecht“: Wo der Markt dieses Recht nicht für alle realisiert, muss die Politik lebensnotwendige Arbeitsfelder erkennen und erschließen. Es gibt in unserer Gesellschaft alle Hände voll zu tun. Die größten, immer noch ungenutzten Potentiale für die Arbeit von heute und morgen liegen im sozialen Ausbau der Gesellschaft, im ökologischen Umbau und in der Entwicklung einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, sowie in einer groß angelegten Bildungs-Offensive.

Arbeitslose, insbesondere Jugendliche, als auch ältere Arbeitnehmer müssen einen Rechtsanspruch auf berufliche Qualifizierung bzw. Förderung bekommen.

 

Die Erwerbsarbeit muss neu und gerechter verteilt werden, um mehr Frauen und Männer über Arbeit und Einkommen an der Gesellschaft zu beteiligen.

 

Arbeit ist mehr als Erwerbsarbeit: über die Bereitstellung eines Grundeinkommens muss Familien- und Erziehungsarbeit sowie das „Ehrenamt“ aufgewertet und sozial abgesichert werden. Ein Grundeinkommen ermöglicht, dass sich Arbeit über Erwerbsarbeit hinaus als sozial und ökologisch sinnvolles und notwendiges Tätigsein entfalten kann. 

3. 2   „GUTE ARBEIT“ für alle – menschlich, sozial, gerecht

3. 2. 1  „GUTE ARBEIT“ ist als „menschliche“ Arbeit auszugestalten – die KAB fordert:

 

Die Leistungsanforderungen müssen den Menschen angepasst werden und nicht umgekehrt. Denn im Mittelpunkt der Arbeit steht der Mensch. Ständige Leistungsverdichtung schädigt die Arbeitnehmerinnen an Leib und Seele.

Den Verzicht auf jede Verlängerung der täglichen, wöchentlichen und der Lebensarbeitszeit, sowie eine spürbare Verkürzung der regelmäßigen Arbeitszeit. Arbeitszeitverlängerung belastet die Beschäftigten noch mehr und verschärft gleichzeitig die Arbeitslosigkeit.

Familien- und sozialverträgliche Arbeitszeiten: Familien, aber auch Gesellschaft brauchen gemeinsame Zeit. Die KAB kämpft daher weiter um den Erhalt des Feierabends und vor allem des arbeitsfreien Wochenendes, für beschäftigtenfreundliche Arbeitszeiten im Handel und vor allem um den Sonntag als kollektiven Ruhetag.

Mehr qualifizierte Teilzeitarbeit für Frauen und Männer, ohne dass ihnen dadurch berufliche Nachteile entstehen. Den Abbau der Überstunden, Freistellung für berufliche, politische und kulturelle Bildungsmaßnahmen, gleitende Einstiege ins Arbeitsleben und in den Ruhestand, gleitende Ausstiege aus der Elternzeit,   Freistellung für Pflege- wie für Erziehungszeiten mit qualifiziertem beruflichem Wiedereinstieg, Zeit für gesellschaftliches Engagement.

Die Ausgestaltung von „alternsgerechter“ Arbeit und Arbeitsplatzangebote für leistungsgeminderte Personen. Heute müssen viele Erwerbstätige erfahren, dass man in der realen Arbeitswelt nicht alt werden kann. Sie scheiden vorzeitig infolge Krankheit aus oder werden „sozialverträglich“ rausgedrückt.

Einen ausreichenden Gesundheitsschutz, die betriebliche Gesundheitsförderung und eine wirksame Gewerbeaufsicht. Arbeit darf nicht krank machen.

Eine außer- und innerbetriebliche Bildungs- und Qualifizierungsoffensive für alle Beschäftigten. Jeder Mensch hat ein Anrecht auf berufliche Bildung und Weiterbildung, um seine Kreativität, sein Können und seine Fähigkeiten zu wecken, zu entfalten und weiter zu entwickeln. 

 

Modelle für die berufliche Weiterentwicklung der Frauen/Männer während der Familienphase. 

Ein Anti-Mobbinggesetz, das Mobbing zum Straftatbestand erklärt und Arbeitgeber haftbar macht, wenn sie Mobbingsituationen nicht unterbinden. 

3. 2. 2  „GUTE ARBEIT“ ist „sozial“ auszugestalten – die KAB fordert:

Die Beibehaltung des Kündigungsschutzes als Zeichen für verlässliche Arbeitsbeziehungen.

Die gesetzliche oder tarifliche Begrenzung prekärer Arbeitsverhältnisse.

 

Die Beibehaltung des bisherigen Renteneintrittsalters mit 65 Jahren, sowie den gesetzlichen Anspruch auf Altersteilzeit.

 

Mehr Rechte für Betriebs- und Personalräte, z. B. bei Betriebsübergang und Veräußerung, Mobbing.
 
Den Erhalt und den Ausbau der betrieblichen und wirtschaftlichen Mitbestimmung und eine neue, partnerschaftliche Unternehmensverfassung. ArbeitnehmerInnen müssen zu vollwertigen Mitgliedern des Unternehmens und an den wichtigen Entscheidungen zu Standorten, Investitionen, Produkten und Produktionssystemen beteiligt werden

3. 2. 3  „GUTE ARBEIT“ ist „gerecht“ auszugestalten – die KAB fordert

Einen gesetzlichen, Existenz- und Alters sichernden Mindest-Nettolohn in Höhe der Pfändungsfreigrenzen in Deutschland.

Eine angemessene Lohnentwicklung, die sich stärker am Bedarf der Menschen orientiert, die Kaufkraft der Einkommensschwachen erhöht und damit die Binnennachfrage stärkt. Die Tarifpartner sind gefordert, Lohnerhöhungen für die unteren Entgeltgruppen am realen Zuwachs zu messen, da prozentuale Erhöhungen die Schere zu den höheren Einkommensgruppen noch weiter öffnen.

Den Erhalt und den Ausbau der Tarifautonomie und des Flächentarifvertrages. Beides sind soziale Errungenschaften, die sozialen Frieden garantierten und eine soziale Spaltung der Gesellschaft verhinderten.

Ausgleichszahlungen, sofern deutsche Unternehmen bei Produktionsverlagerungen ins Ausland Umweltstandards umgehen oder nach Erhalt von Subventionen Arbeitsplätze vernichten bzw. verlagern.

Die Einführung bzw. gesetzliche Verankerung internationaler Mindeststandards für Arbeit, wie z. B. das Verbot der Kinderarbeit, die Gleichstellung der Frau, das Koalitions- und Tarifvertragsrecht, Mindestentlohnung, Streikrecht usw., um damit den ruinösen Wettbewerb ausschalten zu können.

Schöpfungsgerechte, nachhaltige Arbeit, die Rücksicht nimmt auf Ressourcen und die Belastungen der Umwelt. 

4.         Die KAB-Kampagne „GUTE ARBEIT“

Die Arbeits- (und damit auch die Lebensbedingungen) vieler erwerbstätiger Menschen haben sich – wie bereits darlegt – in den vergangenen Jahren erheblich verschlechtert.

Die Kampagne der KAB (und der Betriebsseelsorge) will darauf aufmerksam machen, dass Arbeit mehr ist als nur Broterwerb, sondern Teilhabe an der Schöpfung und wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens.

 

Das von der Kirche wiederholt geforderte „Menschenrecht auf Arbeit“ [4]) ist unserem Verständnis nach natürlich ein „Menschenrecht auf gute Arbeit“. 

4. 1      Die Ziele der Kampagne

Die KAB ist betroffen von den Nöten und Sorgen der erwerbstätigen Menschen und macht diese öffentlich. Unübersehbar ist das Leid der Erwerbslosen, immer deutlicher aber wird auch das Arbeitsleid der Erwerbstätigen. Beides ist nur gemeinsam zu bekämpfen. 

 

Über diese Kampagne sollen daher die Arbeitsbedingungen wieder mehr in den Blick genommen werden. Die KAB setzt Impulse, Arbeit unter den genannten Kriterien neu zu bestimmen und Erwerbsarbeit menschengerecht auszugestalten. 

 

Die KAB stellt dar, dass „GUTE ARBEIT“ ein wichtiger Standortfaktor ist und die Massenarbeitslosigkeit nur mit ihrer Hilfe überwunden werden kann. 

Gleichzeitig erinnert die KAB mit ihrer Kampagne daran, dass Arbeit im biblischen und ethischen Sinne „anspruchsvolle“ Arbeit ist – ausgestattet mit Recht und mit Würde.

Diese Kampagne macht in der Gesellschaft deutlich, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht das Kapital.

4. 2      Die Projekte und Aktionen

Die KAB plant vielfältige Veranstaltungen und Aktionen in ihren Gruppen, Bezirken sowie im  Diözesanverband, um  dieses Anliegen in einer breiten kirchlichen und außerkirchlichen Öffentlichkeit bewusst zu machen.

Es bedarf vieler Bündnispartner. Neben der Betriebsseelsorge, die sich dieser Kampagne anschließt, werden auch die Kath. Bildungswerke eingeladen und dazu angeregt, über Arbeit ethisch und theologisch nachzudenken. Sie erhalten dazu geeignete Hilfestellungen. Ebenso sollen auch andere kirchliche Verbände sowie die AKO (Arbeitsgemeinschaft der Kath. Verbände und Organisationen) auf diese Kampagne aufmerksam werden. 

Pastorale Mitarbeiterinnen in Kirchengemeinden und Verbänden bekommen eine Gottesdienstgestaltung angeboten. Örtliche KAB-Verantwortliche beteiligen sich an Vorbereitung und Durchführung.  

Mit eigenen Gestaltungsvorschlägen für einen „Kreuzweg der Arbeit“, für Andachten und thematische Gottesdienste soll dieses Anliegen auch und gerade in die Kirche hinein getragen werden, die selbst eine der größten Arbeitgeberinnen ist.

 

Die KAB bietet sich als Gesprächspartnerin in Kirchengemeinden an. Kirchengemeinderäte sowie Diakone im Zivilberuf werden über die Kampagne informiert und einbezogen.

Die Führungskräfteseelsorge und die Arbeitgeberverbände erhalten Informationen über diese Kampagne. 

Über die bestehenden personellen Verbindungen erfahren Betriebsräte und Gewerkschaften von dieser Kampagne. Gleichzeitig verfolgt die KAB mit Interesse die Kampagne der IG Metall auf Bundesebene zum Thema „GUTE ARBEIT“ und der IG Metall auf Landesebene zum speziellen Thema „Alternsgerechte Arbeit“. 

Im Herbst 2007 wird die KAB mit dem Sozialethiker Prof. Friedhelm Hengsbach SJ auf der Ebene der Regionen eine Reihe von Veranstaltungen durchführen.

Mit Aufklebern und Postkarten werden Menschen motiviert, sich mit den Bedingungen ihrer Erwerbsarbeit auseinander zu setzen und Position zu beziehen. 

Frauen wie Männer sind eingeladen, ihre Erfahrungen mit schlechter und guter Arbeit aufzuschreiben. Daraus soll ein Lesebuch entstehen unter dem Titel: „Schlechte Arbeit? – Gute Arbeit?!“, um damit die Diskussion in der Gesellschaft über die heutige Erwerbsarbeit sowie die Humanisierung der Arbeitswelt voranzutreiben.

Die Arbeits- und Sozialrechtsberatung, die regionalen Beratungsinitiativen für arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen als auch die Mobbing-Selbsthilfegruppen der KAB sollen weiter ausgebaut werden. Sie leisten die dringend notwendige Unterstützung für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen.

Seminare für Familien, Frauen, Betriebs- und Personalräte informieren darüber, wie gute Arbeit gelingen kann.

Der Diözesanverband arbeitet im Rahmen eines Europaprojektes mit an einer vergleichenden Studie zu Mindestlöhnen und Arbeitsbedingungen in Europa.

Der aus Spenden finanzierte Fonds „Humanisierung der Arbeitswelt“ wird einen Preis ausloben für ein gelungenes Projekt zur Humanisierung der Arbeit in Betrieben und Verwaltungen. 

Entscheidung des Diözesanverbandstages:

Mit 1 Gegenstimme und 2 Enthaltungen angenommen

[1]) „Laborem exercens“ 27

[2]) Grundatzprogramm der KAB 1996 Ziff 1 und 5

[3] Das Inifes-Institut Starnberg kommt in seinen Untersuchungen zu fast identischen Ergebnissen

[4]) „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ – Ziff. 152